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Di. 27.11.2018 um 19 Uhr – Gründung der Initiativ-Gruppe Denk-mal sexuelle Vielfalt – MHC

Aus der Pressemitteilung:

Ein Denkmal für sexuelle Vielfalt in Hamburg ist unser Ziel. Es soll ein Denkmal werden, das an die Verfolgung sexueller Minderheiten bzw. aufgrund der sexuellen Identität in der Vergangenheit und an den Kampf um Gleichberechtigung und Akzeptanz in der Gegenwart erinnert und uneingeschränkte sexuelle Vielfalt als Zukunfts-Ziel in den Fokus stellt. Hiermit laden wir ein zur Gründung der Initiative Denk-mal sexuelle Vielfalt am Dienstag, dem 27. November 2018, um 19.00 Uhr im Magnus-Hirschfeld-Centrum (mhc) in Hamburg-Winterhude, Borgweg 6 unweit der U-Bahnstation Borgweg der Linie U3.

Denk-mal sexuelle Vielfalt

Denk-mal sexuelle Vielfalt heißt eine Initiative, deren Ziel es ist, in der Freien und Hansestadt Hamburg ein Denkmal zu errichten, das die Akzeptanz sexueller Vielfalt einfordert.

Das von uns vorgeschlagene Projekt will nicht eine einzelne sexuelle Minderheit, sondern die sexuelle Vielfalt („Diversity“) der Gesellschaft und der LGBTQI*- Community in den Fokus stellen.

Unser Symbol ist der Regenbogen. Aus ihm kann keine Farbe entfernt werden – alles gehört zusammen. Das Gegenteil ist grau in grau, eine gefährliche Einfalt, die menschliche Lebensunterschiede ausblendet und die Bewahrung der Würde aller Menschen verhindert.

Das angestrebte Denkmal soll dazu beitragen, die Verfolgung sexueller Minderheiten bzw. aufgrund der sexuellen Identität in Vergangenheit und Gegenwart aufzuarbeiten, an deren Leidens- und Lebenswege zu erinnern und darüber hinaus eine Perspektive in die Zukunft zu entwickeln: die Sichtbarkeit der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt menschlichen Seins abzubilden und Vorurteile und Diskriminierung gegen sexuelle Minderheiten abzubauen.

Durch das Denkmal soll symbolisch an die Lebens- und Leidenswege von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*menschen und intergeschlechtlichen Menschen und allen Menschen erinnert werden, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität von gesellschaftlicher Stigmatisierung und Diskriminierung und teils von staatlicher Verfolgung geprägt waren bzw. sind. So wurden bspw. lesbische Frauen und schwule Männer in der Nachkriegszeit gesellschaftlich stigmatisiert und diskriminiert. Schwule wurden darüber hinaus aufgrund des Paragrafen 175 StGB zwischen 1872 und 1994 strafrechtlich verfolgt und erst im Jahr 2017 vom Deutschen Bundestag rehabilitiert. Eine Aufarbeitung der Leidensgeschichten etwa von lesbischen Müttern, deren Sorgerecht entzogen wurde, von intergeschlechtlichen Menschen, die zwangsoperiert wurden und von Trans*menschen, die Ausgrenzungen erfuhren, steht immer noch aus.

Ablehnungs- und Ausgrenzungserfahrungen sind bei vielen von ihnen verinnerlicht und wirken auf unterschiedlicher Weise ein Leben lang fort. So führ(t)en diese Erfahrungen und der sog. Minderheitenstress bei vielen von ihnen zu dauerhaften Gesundheitsgefährdungen, zum sozialen Rückzug und teils zur Existenzbedrohung, Suizid oder Ermordung.

Es gilt diejenigen symbolisch zu würdigen, die für ihren Alltag Überlebens- und Bewältigungsstrategien entwickelten und sogar Freiheiten erkämpf(t)en und sich schließlich emanzipier(t)en.

Das Denkmal soll einerseits eine gesellschaftliche Anerkennung des vergangenen Leids und Unrechts gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*menschen und intergeschlechtlichen Menschen anmahnen. Geleichzeitig sollen sie symbolisch rehabilitiert werden und dadurch in die Zukunft ein gesellschaftliches Zeichen gesetzt werden

Bisher gibt es kein öffentlicher Ort in Hamburg, an dem derer erinnert, gemahnt und gedacht wird.

Bis jetzt wurden, wenn überhaupt, Erinnerungsstätten und Mahnmale für die Opfer der Homosexuellenverfolgung der NS-Zeit errichtet. So gibt es in Hamburg am ehemaligen KZ Neuengamme den Gedenkstein „Rosa Winkel, der 1985 von der Unabhängigen Homosexuellen Alternative (UHA) initiiert und gesetzt worden war.

Die Gedenktafel am ehemaligen innerstädtischen Polizeigefängnis Hütten enthält dagegen ausdrücklich keinen Hinweis auf die zahlreichen Homosexuellen und sogenannten „Asozialen“, zu denen oft auch Lesben gezählt wurden, die von dort aus in KZ-Lager transportiert wurden.

Auch die Tafel am Hamburger Untersuchungsgefängnis Holstenglacis schränkt den Kreis der Menschen, derer gedacht wird, ein, wenn es heißt:

„Während der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 ‒ 1945 wurden im Hof des Untersuchungsgefängnisses Holstenglacis 3 fast 500 Menschen enthauptet.

Frauen und Männer, die sich am europäischen Widerstand gegen die deutsche Okkupation und Kriegsführung beteiligt hatten, fanden hier den Tod durch das Fallbeil“.

Das Mahnmal „Hier+Jetzt“ vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht auf dem Sievekingplatz trägt folgende sehr allgemein gehaltene Inschrift:

„Wir gedenken der Opfer, die von 1933 bis 1945 durch Richter und Staatsanwälte der Hamburger Justiz entrechtet, missachtet und gequält, ihrer Freiheit beraubt und zu Tode gebracht worden sind. Ihr Leiden unsere Mahnung“.

Hamburg gehört zu den Städten Deutschlands, die in der Schwulen- und Lesbenbewegung führend waren und sind. Ihre Geschichte ist in den letzten 25 Jahren gut dokumentiert und aufgearbeitet worden. Der Hamburger CSD gehört in seiner Vielfalt zu den größten Veranstaltungen dieser Art in Europa. Und Hamburg ist seit dem 28. Juli 2016 Rainbow-City. Dies alles spricht für ein Denkmal sexueller Vielfalt in dieser Stadt.

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