HIQFF: No Straight Lines

(immer noch online zu sehen! – https://stream.lsf-hamburg.de)

Comics sind ein wunderbares Unterhaltungsmedium. Das kann genauso schön sein, wie Vorabendserien im Fernsehen gucken. – Wenn aber diese Comics von queeren Zeichnerinnen und Zeichnern für ein queeres Publikum gemacht werden, dann sind sie viel mehr: Ein Spiegel des eigenen Lebens und der Menschen um einen herum. – Häufig auch ein Blick zurück in die Geschichte der eigenen Community. – Außerdem eine Hilfe bei der Identitätssuche. Deswegen gibt es ja auch viele queere Comics mit Coming-out-Thematik.

Der Dokufilm von Vivian Kleiman zeigt, wie alles in den USA begann: Queere Zeichner:innen sind genau wie Heteros von Comics begeistert und merken bald, dass darin die eigene Welt fehlt. In den prüden 60ern gibt es für Comics dann Zensurvorschriften, um die Jugend zu “schützen”. Provokante linke Zeichner:innen veröffentlichen daraufhin ihre anarchistischen und erotischen Hefte in sogenannten Head Shops, also Zubehörläden für Haschiskonsum. Da waren diese frechen Geschichten angeblich nur Erwachsenen zugänglich und somit der Zensur entkommen.

Comics erzählen auch unsere Geschichte: Die Stonewall-Riots gibt es gezeichnet und ebenfalls auch die HIV/AIDS-Zeit mit der aufkommenden Act-Up-Bewegung.

Filmemacherin Vivian Kleiman ist es gelungen, einige der Pionier:innen zu filmen. Deswegen erfahren wir auch, wie damals Verlagsnetzwerke gegründet wurden, wie diese wieder untergingen und wie sich Comics zu Graphic Novels weiterentwickelten, wie bei Alison Bechdel mit “Fun Home”.

Schön ist, dass Howard Cruse dabei ist, der von 1980 an für lange Zeit die “Gay Comix” veröffentlichte. Man sieht, wie er immer wieder Originalzeichnungen aus großen Schubladen herauszieht und erkennt den kulturellen Wert dieser Zeichnungen.

Wolfgang Krömer

Zusätzliche Links:

https://en.wikipedia.org/wiki/No_Straight_Lines

https://en.wikipedia.org/wiki/Gay_Comix

https://www.fantagraphics.com/products/no-straight-lines-softback