Lila-Lied-Veranstaltung zum Gedenktag

Im Hamburger Rathaus gab es am 27.1.2026 eine szenische Lesung „Das lila Lied“ zum Gedenken an die queeren Opfer des Nationalsozialismus. Das Lila Lied ist eine Hymne der 1. Schwulenbewegung in der Weimarer Republik. Die Veranstaltung beleuchtete anhand historischer Quellen und Einzelschicksale, wie Menschen in Hamburg wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden. Unter anderem wurden die Lebensgeschichten von Walter Opitz, Walter Herz, Liddy Bacroff, Mary Pünjer, Walter Löwenthal sowie Alice Ascher und Margot Doctor erzählt.
Zu Beginn sprach die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft Carola Veit. Sie betonte die Verantwortung der Stadt Hamburg für die Fehler der Vergangenheit. Autor der szenischen Lesung ist Michael Batz, die Texte sprachen: Tim Koller, Mike Solbach, Anne Weber und Michael Weber.
Edgar Herzog (Klarinette), Jakob Neubauer (Bajan/Akkordeon) und Gunter Schmidt (Klavier und Gesang).
Nach 1945 endete für viele queere Menschen in Hamburg die Verfolgung nicht. Der nationalsozialistisch verschärfte § 175 StGB blieb in der Bundesrepublik unverändert bestehen, sodass Betroffene weiterhin strafrechtlich verfolgt wurden.
Viele Urteile aus der NS-Zeit galten weiter, und etliche Männer wurden erneut verhaftet oder mussten Reststrafen verbüßen.
„Rosa Listen“ mit Daten mutmaßlicher Homosexueller blieben bei Polizei und Justiz im Umlauf.
Zahlreiche Richter, Kommissare und Staatsanwälte aus der NS-Zeit blieben im Amt und setzten die Verfolgung fort.
Zwischen 1945 und 1959 kam es zu rund 45.000 Verurteilungen wegen Homosexualität – fast so viele wie während der Nazizeit.
Erst 1969 wurde der § 175 erstmals reformiert, vollständig abgeschafft jedoch erst 1994.
Auch die Stadt Hamburg führte bis in die 1980er-Jahre Überwachungsmaßnahmen fort, etwa durch Einwegspiegel in öffentlichen Toiletten zur Beobachtung homosexueller Männer. Erst durch Proteste der queeren Bewegung kam es zur Beendigung dieser Praxis. Eine offizielle Anerkennung und Rehabilitierung der Opfer erfolgte in Deutschland erst 2017.