Queer-Beauftragte: mehr Rechtsschutz, echte Gleichstellung
ARD Interview der Woche · 15.05.2026 · 26 Min.
Begleittext beim DLF:
Am 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Queer-Feindlichkeit. Die Bundesbeauftragte Sophie Koch erklärt, warum aus ihrer Sicht mehr Rechtsschutz und echte Gleichstellung nötig sind. Sie spricht über politische Erwartungen, die Regenbogenflagge und die Bedeutung von CSDs. Auch der Streit um einen Instagram-Post kommt zur Sprache. Das ARD Interview der Woche mit Sophie Koch hat Hauptstadtkorrespondent Dietrich Karl Mäurer geführt.
Zusammenfassung:
Sophie Koch sieht vor allem folgende Gefahren:
- Zunahme von Queerfeindlichkeit und Gewalt: Sie verweist auf steigende Zahlen queerfeindlicher Straf- und Gewalttaten sowie auf eine rauer werdende gesellschaftliche Stimmung und Hass in öffentlichen Debatten.
- Rechtsextreme Mobilisierung gegen CSDs: Sie sieht eine Gefahr durch rechte Gruppen, die gegen CSD-Demonstrationen mobilisieren und teils übergriffig werden.
- Alltägliche Unsicherheit für queere Menschen: Besonders im Alltag – etwa beim offenen Zeigen von Zuneigung – bestehe das Risiko von Beleidigungen oder Angriffen.
- Politische Rückschritte oder Signalwirkungen: Etwa wenn Begriffe wie „Queerpolitik“ gestrichen oder Förderprogramme nicht klar benannt werden, was Unsicherheit und das Gefühl des „Nicht-gesehen-Werdens“ in der Community auslösen könne.
- Instrumentalisierung von Frauenrechten gegen Transrechte: Sie sieht die Gefahr, dass Rechte gegeneinander ausgespielt werden.
- Rechtliche Ungleichbehandlung queerer Familien: Zum Beispiel im Abstammungsrecht, wo lesbische Paare nicht automatisch rechtlich gleichgestellt sind.
Nach Sophie Koch hat die Politik insbesondere folgende Aufgaben:
- Sicherheit gewährleisten: Queerfeindliche Straftaten bekämpfen, Prävention stärken und dafür sorgen, dass queere Menschen sicher leben können – im Alltag wie bei Veranstaltungen.
- Rechtliche Gleichstellung umsetzen: Gesetzliche Lücken schließen, etwa im Abstammungsrecht, damit queere Familien gleichberechtigt sind.
- Selbstbestimmung schützen: Das Selbstbestimmungsgesetz verteidigen und die Rechte von Transpersonen sichern.
- Verfassungsrechtlichen Schutz erweitern: Artikel 3 des Grundgesetzes um die sexuelle Orientierung ergänzen.
- Akzeptanz fördern: Gesellschaftliche Aufklärung unterstützen und Programme wie „Demokratie leben“ stärken.
- Dialog führen und vermitteln: Zwischen Community und Regierung vermitteln, Forderungen aufnehmen und politisch einbringen.
- Klare Haltung zeigen: Gegen Queerfeindlichkeit Stellung beziehen und die Rechte der Community sichtbar vertreten.
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