Pink Channel CSD-Radio 29.07.2026

CSD-Radio – die trans Edition mit Cornelia Kost und Saskia Tsitsigias und Gäst:inen.



Bilder von Erwin Harbeck:



Zusammenfassung der Gespräche

Reaktionen auf den Anschlag in Berlin
Die Runde thematisierte den Anschlag beim CSD in Berlin, bei dem ein Mann mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge fuhr. Dabei wurden 29 Menschen teils schwer verletzt, eine Frau starb. Es wurde darauf hingewiesen, dass queere Menschen durch verschiedene Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bedroht sind, insbesondere durch Rechtsextremismus und religiösen Fundamentalismus. Die Sicherheitsmaßnahmen für die anstehenden Hamburger Veranstaltungen wurden laut Aussage der Polizei überprüft und verstärkt.
Gefährdungslage für Trans-Personen
Aus der Beratungspraxis wurde geschildert, dass Trans-Personen alltäglich mit Gewalt, Anfeindungen und struktureller Diskriminierung konfrontiert sind. Die psychosozialen Belastungen seien hoch, was unter anderem auf unzureichende gesellschaftliche Rahmenbedingungen zurückgeführt wurde, nicht auf die geschlechtliche Identität an sich.
Bedrohte Beratungsangebote: Die Situation von 4be
Ein zentrales Thema war die mögliche Schließung der Trans-Suchtberatung 4be zum Jahresende. Diese Einrichtung ist die einzige im norddeutschen Raum, die suchterkrankten Trans-Personen den Zugang zur regulären Gesundheitsversorgung ermöglicht. Die Finanzierung erfolgt über die Sozialbehörde. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus und wird im Zuge der Haushaltsberatungen in der Hamburgischen Bürgerschaft diskutiert werden. Es wurde auf die fachliche Bedeutung von Peer-Arbeit und spezialisierter Beratung hingewiesen, die durch allgemeine Angebote nicht ersetzt werden könne.
Historische Perspektive
Eine langjährig in der Trans-Gesundheitsversorgung tätige Expertin schilderte ihre Erfahrungen aus den vergangenen Jahrzehnten. Themen waren die schwierige Position von Trans-Personen im psychiatrischen Berufsfeld, der langsame Wandel wissenschaftlicher und institutioneller Haltungen sowie frühe Kämpfe um Anerkennung und strukturelle Veränderungen, etwa die Satzungsänderung des Magnus Hirschfeld Zentrums, um Trans-Personen ausdrücklich einzuschließen.
Ankündigung: Die-In auf der CSD-Parade
Für den CSD-Samstag wurde eine Aktion angekündigt: Der Trans- und Sexarbeiter*innenblock wird im Bereich Hauptbahnhof / Mönckebergstraße ein Die-In durchführen. Dabei legen sich die Teilnehmenden – nach vorheriger Absprache mit der Fahrzeugführung – als stilles, gewaltfreies Zeichen des Protests auf die Straße. Mit Transfahnen bedeckt, soll so auf Gewalt gegen queere Menschen, drohende Mittelkürzungen sowie die Diskussion um sogenannten Rosa Listen hingewiesen werden.