Auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg entsteht eine queere Grab- und Gedenkstätte. Der Künstler Ulrich Vogl gestaltet eine farbige Ziegelmauer mit Gedenktafeln und einem „Kissing Stone“, an dem Besucher Küsse hinterlassen können. Ein digitales Gedenkbuch soll die Geschichten der Verstorbenen bewahren. – Aus einem Studiogespräch von Prderadio Berlin. Foto: Jörg Litwinschuh-Bartel (Stiftung Reerdigung), Marcel de Groot (Schwulenberatung Berlin), Thomas Diedrichs (Prideradio), Ulrich Vogl (Künstler, re. im Bild) – Sendung bei Prideradio hier







Zusammenfassung:
Der Künstler Ulrich Vogl realisiert einen Mauerabschnitt von zehn Metern Länge und drei Metern Höhe aus 27 unterschiedlich gebrannten Ziegelarten, deren Farbverlauf dezent an einen Regenbogen erinnert und zugleich in das historische Ziegelformat des Friedhofs eingebunden ist.
Einzelne Ziegel springen hervor und bilden kleine Podeste, an denen Namensplaketten angebracht und Blumen oder Kerzen abgelegt werden können; für Gedenkfeiern sind symbolische Gesten wie rote Rosen im Sommer oder Kerzen im Winter vorgesehen.
Ein „Kissingstone“ aus rosé geädertem Kalkstein ermöglicht Lippenstift-Küsse, die dauerhaft sichtbar bleiben, angelehnt an bekannte Gräber in Paris; bei Feiern sollen Lippenstifte bereitliegen.
Ergänzend entsteht ein digitales Gedenkbuch mit biografischen Informationen und Fotos, um die persönlichen Geschichten hinter den Namen langfristig zugänglich zu machen und queere Geschichte lebendig zu halten, später auch in gedruckter Form.
Ulrich Vogl versteht die Arbeit als Teil von Kunst im öffentlichen Raum, die explizit in die Gesellschaft hineinwirkt; der Ort ist bereits mit queerer Geschichte verknüpft, u.a. durch ein großes AIDS‑Grab und prominente Gräber wie Rio Reiser.